Komfortzone verlassen – Schritt für Schritt statt ins kalte Wasser
Kurz gesagt: Die Komfortzone verlassen heißt, Dinge zu tun, bei denen du nicht sicher bist, ob sie klappen. Das gelingt selten mit einem großen Sprung. Es gelingt, wenn du dieselbe Herausforderung wiederholst und sie Stück für Stück schwerer machst. Einmal ist schön. Dauerhaft verändert es dich.
Was ist die Komfortzone?
Die Komfortzone ist der Bereich, in dem du dich sicher fühlst. Du kennst die Abläufe und weißt ungefähr, was dabei herauskommt. Alles darin kostet wenig Überwindung.
Das ist nichts Schlechtes. Niemand kann jeden Tag an seine Grenze gehen. Aber Shila Driesch sagt klar, was dort fehlt: „In der Komfortzone gewinne ich kein Selbstvertrauen.“ Neues lernst du nur dort, wo du noch unsicher bist.
In der Psychologie wird das oft mit einem Zonenmodell beschrieben: Komfortzone, Lernzone, Panikzone. Das ist allgemeines Wissen und kein Modell von Shila. Es hilft aber beim Einordnen. Wer direkt von der Couch in die Panikzone springt, lernt vor allem eines: nie wieder. Das Ziel ist die Zone dazwischen.
Wie Shila solches Training aufbaut, beschreibt die Seite zur BestMe-Methode.
Warum wir in der Komfortzone bleiben
Wenn es so klar ist, warum bleiben wir dann trotzdem drin? Shila nennt in ihren Vorträgen und Interviews zwei Gründe, die fast jeder kennt.
Angst wird zur Gewohnheit
Viele wachsen damit auf, dass vor allem zählt, was alles passieren könnte. Das Haus kann abbrennen. Man kann einen Unfall haben. Irgendwann ist Angst dann einfach Alltag.
Shilas Schlussfolgerung: Wer ständig Angst hat, dass etwas eintritt, entwickelt eine Vermeidungsstrategie. Du gehst dann nicht bewusst auf Nummer sicher. Du weichst aus, bevor du überhaupt geprüft hast, ob die Gefahr echt ist.
Im Job sieht das unscheinbar aus. Das Projekt übernimmt jemand anderes. Das Gespräch verschiebst du auf nächste Woche.
Dein Umfeld hält dich fest
Der zweite Grund liegt nicht in dir, sondern um dich herum. „In dieser Komfortzone, da halten dich die Leute fest“, sagt Shila. Sobald du etwas anders machst, kommen Fragen. Ihr Beispiel ist ihre Eistonne im Garten. Die Reaktion aus dem Umfeld: Warum machst du das denn? Du bist doch gesund, ist doch alles gut.
Shila nennt solche Sätze Bremsen. Sie sind selten böse gemeint. Trotzdem ziehen sie dich zurück ins Gewohnte. Was du stattdessen brauchst, sind Menschen, die hinter dir stehen und sagen: Finde ich gut, erzähl mal, wie das ist. Für Shila ist so eine Gemeinschaft sehr wichtig. Deshalb hat sie eine eigene Community gegründet.
Woran du merkst, dass es Zeit ist, die Komfortzone zu verlassen
Es gibt keinen offiziellen Moment dafür. Aber es gibt Anzeichen. Die folgenden Punkte leiten sich aus Shilas Aussagen ab und sind für diesen Artikel auf den Berufsalltag übertragen.
- Du erklärst Stillstand mit den Umständen. Shila hält mit Eigenverantwortung dagegen, einem Faktor ihrer Resilienzformel. Viele Menschen machen äußere Umstände für ihre Probleme verantwortlich, statt auf ihr eigenes Handeln zu schauen. Dabei entscheidet deine Reaktion, was am Ende herauskommt.
- Du weißt längst, was dran wäre, und tust es nicht. Das ist die Vermeidungsstrategie von oben, nur im Erwachsenenleben.
- Deine Erfolge fühlen sich wie Glück an. Wer nur einmal etwas Mutiges macht, verbucht es später leicht als Zufall. Die Gegebenheiten waren eben gut.
- Die Kommentare aus deinem Umfeld entscheiden mit. Wenn „Warum machst du das?“ reicht, damit du etwas lässt, halten dich die Bremsen fest.
Trifft einer dieser Punkte zu, musst du nicht dein Leben umkrempeln. Ein erster kleiner Schritt reicht.
Komfortzone erweitern: Schritt für Schritt statt ins kalte Wasser
Der bekannte Rat lautet: Spring einfach ins kalte Wasser. Das kann funktionieren. Oft bleibt davon aber nur eine Geschichte, die du einmal erzählst. Shila beschreibt einen anderen Weg, und ihr bestes Beispiel dafür ist eine Paddelstrecke.
Erst ankommen, dann besser werden
Shila hat sich vorgenommen, die Palmeninsel Palm Jumeirah auf der Innenseite einmal komplett zu durchpaddeln. Ihre erste Frage kennst du vor jeder neuen Aufgabe: Wie lange dauert das? Schaffe ich das überhaupt?
Sie kam an. Danach ging es nur noch darum, schneller zu werden. Innen gibt es keine Wellen, die Runde dauert etwa zwei Stunden. Dann kam die nächste Frage: Was wäre mit außen?
Sie hat sich die Strecke vorher auf Google Maps angesehen. Dann ist sie außen um die Palme gepaddelt, mit Wellengang und Wind, eine viel längere Strecke.
Die nächste Stufe steht noch aus: einmal komplett um Dubai, rund 40 Kilometer. Daran hat sie sich nach eigenen Worten noch nicht gewagt. Den inneren Abschnitt dieser Dubai-Runde ist sie aber schon gepaddelt, viereinhalb Stunden ohne Pause.
Das Muster dahinter lässt sich auf jede Aufgabe übertragen:
- Eine Aufgabe wählen, bei der du nicht weißt, ob du sie schaffst.
- Einmal ankommen. Das Tempo ist dabei egal.
- Dieselbe Aufgabe verbessern, bevor du eine neue suchst.
- Erst dann die Bedingungen erschweren. Mehr Wind, ein größeres Publikum.
So wächst deine Komfortzone mit. Was vor einem Jahr eine Mutprobe war, ist heute die gemütliche Innenrunde.
Dauerhaft statt einmalig
Shilas Tipp zu diesem Thema heißt ausdrücklich: Komfortzone dauerhaft verlassen. „Einmal ist nice“, sagt sie, „aber das wirst du dir immer vielleicht als Glück verkaufen.“ Erst die Wiederholung macht daraus eine Fähigkeit, auf die du dich verlassen kannst.
Ihr eigenes Beispiel ist die Eistonne. Seit sie sie hat, steigt sie jeden Tag hinein, weil sie jeden Tag ihren inneren Schweinehund überwinden will. Das ist kaltes Wasser im Wortsinn. Aber eben nicht einmal, sondern täglich. Und es macht, wie sie sagt, „auch ein bisschen süchtig“.
Ein Rückschlag beendet nicht den Tag
Nicht jeder Schritt klappt. Ging etwas schief, darfst du laut Shila kurz innehalten und überlegen, woran es lag. Dann geht es weiter, noch am selben Tag. Mit der schlechten Erfahrung beendest du den Tag nicht.
Das ist wichtig, weil sonst die Vermeidungsstrategie wieder übernimmt. Ein misslungener Versuch wird schnell zum Beweis, dass du es besser gelassen hättest.
In deiner Stärke hinausgehen
Du musst nicht alles gleichzeitig verlassen. Shila hat das bei einem Podcast-Auftritt selbst beschrieben. Die Umgebung, das Studio, die Situation: keine Komfortzone, obwohl die Couch sehr gemütlich war. Trotzdem ist sie hingegangen, und zwar in ihrer Stärke. Sie kann gut kommunizieren.
Such dir also neue Situationen, in denen du etwas Vertrautes mitbringst. Das macht den Schritt kleiner, ohne ihn wegzunehmen. Jede dieser Erfahrungen stärkt dein Selbstbewusstsein im Job.
Übung: Die Paddelrunde für deinen Arbeitsalltag
Aus Gedanken zusammengestellt, die Shila in Vorträgen und Interviews beschreibt. Keine feste Methode aus ihrem Training.
Plane dafür vier Wochen ein.
Schritt 1: Deine Innenrunde festlegen. Wähle eine berufliche Aufgabe, bei der du heute zögerst. Zum Beispiel: bei der Kundschaft anrufen statt zu mailen oder ein Thema im Meeting selbst aufmachen. Wichtig ist nur, dass du nicht sicher bist, ob es gut läuft.
Schritt 2: Einmal schaffen. Mach es in dieser Woche. Nicht perfekt. Einfach machen.
Schritt 3: Wiederholen und besser werden. Mach dieselbe Aufgabe in der zweiten Woche noch einmal. Frag dich vorher: Was mache ich diesmal etwas besser?
Schritt 4: Die Außenrunde. Erschwere in Woche drei oder vier eine Bedingung. Ein größerer Kreis zum Beispiel, oder ein kritischeres Gegenüber.
Schritt 5: Jeden Abend eine Zeile. Shila führt jeden Tag ein Journal und schreibt auf, was sie heute getan hat, um ihre Ziele zu erreichen. Übernimm diese Frage für dich: Was habe ich heute getan, um meine Komfortzone zu erweitern? Lief etwas schief, notiere es kurz und schreib direkt darunter deinen nächsten Schritt. So endet der Tag nicht mit der schlechten Erfahrung.
Schritt 6: Eine Person einweihen. Erzähl einem Menschen davon, der hinter dir steht. Nicht der Person, die fragt, warum du dir das antust.
Was würde deine beste Version jetzt tun?
Vor der Außenrunde meldet sich die Stimme, die lieber innen bleiben will. Die Ausreden kommen von allein. Stell ihnen eine Frage entgegen: Was würde meine beste Version jetzt tun?
Die Antwort nimmt dir den Schritt nicht ab. Oft zeigt sie aber, dass die nächste Stufe kleiner ist als gedacht: eine Runde weiter, nicht gleich 40 Kilometer. Diese Frage steht im Zentrum von Shilas Trainingsansatz. Wenn du deine Komfortzone mit Begleitung erweitern willst: So funktioniert die BestMe-Methode.
Häufig gefragt
Was bedeutet es, die Komfortzone zu verlassen?
Die Komfortzone verlassen heißt, Dinge zu tun, bei denen du nicht sicher bist, ob sie gelingen. Das kann eine neue Aufgabe im Job sein, ein schwieriges Gespräch oder eine sportliche Herausforderung. Laut Shila Driesch gewinnst du nur außerhalb der Komfortzone Selbstvertrauen.
Warum fällt es so schwer, aus der Komfortzone zu kommen?
Oft stecken alte Ängste dahinter, aus denen eine Vermeidungsstrategie geworden ist. Dazu kommt das Umfeld: Wer etwas anders macht, hört schnell „Warum machst du das?“. Shila nennt solche Sätze Bremsen.
Wie kann ich meine Komfortzone Schritt für Schritt erweitern?
Wähle eine Aufgabe, bei der du unsicher bist, und schaffe sie einmal. Wiederhole sie, werde darin besser und erschwere erst dann die Bedingungen. Entscheidend ist, dass du dranbleibst, statt es bei einem einmaligen Sprung zu belassen.
Muss ich ins kalte Wasser springen, um die Komfortzone zu verlassen?
Nein. Ein einzelner großer Sprung wird im Rückblick oft als Glück abgehakt. Wirksamer sind kleine Schritte, die du regelmäßig wiederholst und nach und nach steigerst.
Was mache ich, wenn ein Versuch schiefgeht?
Reflektiere die Erfahrung kurz und mach sofort weiter. Shila Driesch rät, den Tag nicht mit der schlechten Erfahrung zu beenden, sondern direkt den nächsten Schritt festzulegen.
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