Glaubenssätze erkennen und auflösen – mit Beispielen aus dem Berufsalltag
Kurz gesagt: Glaubenssätze sind Gedanken, die du so oft gedacht hast, dass sie sich wie Tatsachen anfühlen. Im Job klingen sie wie „Ich bin nicht der geborene Verkäufer“ oder „Ich kann keinem vertrauen“. Löschen lassen sie sich nicht. Glaubenssätze auflösen heißt deshalb: den alten Satz erkennen und mit einem neuen überschreiben, den du so lange wiederholst, bis er trägt.
Was sind Glaubenssätze?
Ein Glaubenssatz ist ein Gedanke, den du irgendwann für wahr hältst. Am Anfang steht, so erklärt es Shila Driesch in ihren Vorträgen, ein einzelner negativer Gedanke. Du denkst ihn öfter. Und was du oft denkst, fängt an, sich richtig anzufühlen.
Ab diesem Punkt denkst du nicht mehr aktiv darüber nach. Der Satz rutscht ins Unterbewusstsein und lenkt von dort dein Verhalten, jeden Tag. Shila vergleicht das mit einem Anker, der unter die Wasseroberfläche sinkt. Deshalb sind Glaubenssätze so schwer zu fassen: Du siehst sie nicht mehr.
Die meisten hast du nicht selbst entwickelt. Sie stammen aus deinem Umfeld, aus deiner Kultur und aus schmerzhaften Erfahrungen. Als Kind nimmst du Sätze von Eltern und Lehrkräften ungefiltert auf, weil der Teil des Gehirns, der hinterfragt, noch nicht ausgereift ist. Shila nennt solche übernommenen Sätze „Plagiate, nach denen wir leben“.
Mit welchem Ansatz Shila trainiert, beschreibt die Seite zur BestMe-Methode.
Glaubenssätze: Beispiele aus dem Berufsalltag
Viele Glaubenssätze klingen harmlos, oft sind es Sprichwörter. Im Arbeitsleben halten sie dich trotzdem zurück. Shila sammelt solche Sätze in ihren Vorträgen und zeigt, was sie auslösen:
- „Eigenlob stinkt.“ Du sagst kaum etwas Positives über dich. Später wunderst du dich, warum es so schwerfällt, dich und dein Angebot zu verkaufen.
- „Was sollen denn die anderen denken?“ Du hältst dich zurück, sobald du sichtbar werden sollst, etwa mit Werbung auf Instagram. Shila bringt es so auf den Punkt: „Die Nachbarn von früher, das ist ja der Shitstorm von heute.“
- „Über Geld spricht man nicht.“ Shila fragt dazu: Wie soll mehr Geld in dein Leben kommen, wenn du dir nicht erlaubst, darüber zu sprechen?
- „Du kannst nicht alles haben.“ Daraus wird eine Entweder-oder-Haltung. Bis hin zu „Ich bin lieber gesund als reich“, als hätte das eine mit dem anderen zu tun.
- „Der Klügere gibt nach.“ Wenn du das bessere Ergebnis hast und dich trotzdem zurückziehst, bestimmen andere den Kurs.
- „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Der Satz unterstellt, dass Lernen irgendwann abgeschlossen ist.
Noch stärker wirken Sätze, die du über dich selbst sagst. Shila hört sie oft, im 1:1-Training und in Gesprächen mit Menschen, die ein Unternehmen führen:
- „Ich bin nicht der geborene Verkäufer.“
- „Ich bin zu nett.“ Viele Führungskräfte beschreiben damit ihr Dilemma.
- „Ich kann keinem wirklich vertrauen, also mache ich alles selbst.“
- „Ich bin nicht kompetent genug, ich muss erst noch ein Studium machen.“
- „Ich habe ja nur einen Realschulabschluss.“ Das sagte ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann zu ihr.
Glaubenssätze erkennen: So kommst du ihnen auf die Spur
Du erkennst Glaubenssätze an Sätzen, die mit „Ich bin“ oder „Ich kann“ beginnen, und an Antworten, die dir ohne Nachdenken einfallen. Vier Wege helfen dir dabei.
Achte auf „Ich bin“ und „Ich kann“. Shila sagt: „Alles, was mit ‚ich bin‘ oder ‚ich kann‘ anfängt, ist ein starker Glaubenssatz.“
Frag dich, was du nicht kannst. Wenn Shila im 1:1-Training fragt: „Wer bist du? Was kannst du?“, kommt oft erst mal nichts. Fragt sie dagegen: „Was kannst du nicht?“, kommt die Antwort sofort. Genau diese schnellen Antworten lohnt es sich aufzuschreiben.
Ergänze Sprichwörter. Fällt dir das Ende von „Bescheidenheit ist …“ ohne Zögern ein? Dann kommt es aus deinem Unterbewusstsein. Shila nennt solche automatischen Antworten Anker.
Hör dir beim Denken zu. Shila rät, das ein paar Tage lang bewusst zu tun. Besonders aufschlussreich sind die Momente vor etwas Neuem. Dann tauchen Sätze auf wie „Das ist viel zu riskant“ oder „Das haben wir immer schon anders gemacht“.
Warum sich Glaubenssätze selbst bestätigen
Glaubenssätze suchen Beweise für sich selbst. Shila erklärt das am Beispiel „Ich bin kein guter Verkäufer“.
Hinter dem Satz steht meist eine schlechte Erfahrung. Daraus machst du eine Regel: Es hat einmal nicht geklappt, also klappt es auch künftig nicht. Viele versuchen es danach gar nicht mehr.
Versuchst du es doch, greift der Bestätigungsfehler. Dein Fokus liegt auf allem, was den Satz stützt. Was dagegen spricht, blendest du aus. Im Verkaufsgespräch gibst du schneller auf und wirkst weniger überzeugend. „Überzeugung fängt bei euch an“, sagt Shila. So tritt ein, was du erwartet hast: eine selbsterfüllende Prophezeiung.
Das funktioniert auch in die andere Richtung. Wer denkt „Ich kann das richtig gut“, sucht nach Bestätigung dafür und macht bei einem Einwand einfach weiter. Auf diesem Weg wächst auch dein Selbstbewusstsein im Job: Jede Erfahrung, die den positiven Satz bestätigt, macht ihn stabiler.
Glaubenssätze auflösen: Überschreiben statt löschen
Du kannst einen Glaubenssatz nicht per Knopfdruck löschen. Du kannst ihn aber überschreiben. Shila formuliert es so: „Glaubenssätze löschen funktioniert nicht, Glaubenssätze überschreiben ist viel besser.“
Der Grund liegt im Gehirn. Es mag kein Vakuum. Nimmst du dir vor, nicht mehr zu denken, dass du schlecht verkaufst, denkst du den Gedanken gerade dadurch wieder. Er wird stärker.
Die gute Nachricht: Dein Gehirn bleibt veränderbar. Neuroplastizität heißt das. Alte Denkmuster sind wie breite Straßen, die du jeden Tag fährst. Abreißen kannst du sie nicht. Ein neuer Gedanke ist zuerst nur ein Trampelpfad. Denkst du ihn oft genug, wird er zur neuen Hauptstraße. Die alte verliert an Kraft, weil du sie nicht mehr nutzt. Shila verbindet dieses Bild mit den „Drachen im Kopf“, um die es beim Trainieren mentaler Stärke geht.
Übung: Einen Glaubenssatz Schritt für Schritt überschreiben
Aus Gedanken zusammengestellt, die Shila in Vorträgen und Interviews beschreibt. Keine feste Methode aus ihrem Training.
Du brauchst Papier, einen Stift und ein Gummiband.
Schritt 1: Sätze sammeln. Schreib fünf Minuten lang alles auf, was dir zu deinem Job mit „Ich bin nicht …“ oder „Ich kann nicht …“ einfällt. Nicht bewerten, nur notieren.
Schritt 2: Einen Satz auswählen. Nimm den Satz, der dich im Moment am meisten bremst. Zum Beispiel „Ich bin nicht der geborene Verkäufer“.
Schritt 3: Den Satz prüfen. Stell ihm die zwei Fragen, die Shila empfiehlt: Stimmt das eigentlich? Und: Dient mir dieser Gedanke? Dabei hilft ein Satz von ihr: „Ihr habt Gedanken. Ihr seid nicht der Gedanke.“
Schritt 4: Einen neuen Satz formulieren. Schreib ihn ohne „nicht“, denn mit Verneinungen kann das Gehirn wenig anfangen. Manchmal reicht es, den alten Satz zu ergänzen, so wie Shila es mit „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ zeigt. Aus „Ich bin nicht der geborene Verkäufer“ könnte etwa werden: „Verkaufen ist Übung, und ich übe.“ Das passt zu Shilas Erfahrung, dass Übung Talent schlägt.
Bei „Ich bin zu nett“ hilft Shilas Blick auf die Rolle: Privat darfst du nett bleiben. Sobald du über die Türschwelle ins Büro trittst, bist du in deiner Rolle als Führungskraft und sprichst Klartext.
Schritt 5: Im Alltag unterbrechen. Leg das Gummiband ums Handgelenk. Shila macht es selbst so: Taucht eine negative innere Stimme auf, lässt sie das Band kurz schnalzen. Das unterbricht das Muster und sie kann den Fokus neu setzen. Denk in diesem Moment deinen neuen Satz.
Schritt 6: Wiederholen. Aus dem Trampelpfad wird erst durch Wiederholung eine Hauptstraße.
Ein Hinweis von Shila zum Schluss: Wenn du einen alten Anker hochziehst, wirbelt das auch Schlamm auf. Es kann also nachwirken. Das gehört dazu.
Was würde deine beste Version jetzt tun?
Der alte Satz meldet sich wieder, mitten im Arbeitstag: „Das schaffe ich nicht.“ Du lässt das Gummiband schnalzen. Dann stellst du dir eine Frage: Was würde meine beste Version jetzt tun?
Mit dieser Frage musst du den alten Satz nicht widerlegen. Du fragst nur, was du jetzt tust. Sie ist die Leitfrage von Shilas Training. Warum sie im Alltag trägt, zeigt der Beitrag zur BestMe-Frage.
Wenn du beim Überschreiben nicht allein bleiben willst: Shilas Trainingsansatz: die BestMe-Methode.
Wann Mentaltraining nicht reicht
Dieser Artikel beschreibt Mentaltraining für den Berufsalltag. Er ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Alte Denkmuster zu verändern braucht Übung und Zeit, ein schneller Erfolg ist nicht garantiert.
Belasten dich negative Gedanken über Wochen stark, schläfst du schlecht oder fühlst du dich dauerhaft niedergeschlagen, dann sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis. Das ist dann der richtige nächste Schritt.
Häufig gefragt
Was sind Glaubenssätze?
Glaubenssätze sind Gedanken, die du so oft gedacht hast, dass du sie für wahr hältst. Sie wirken aus dem Unterbewusstsein und steuern dein Verhalten, ohne dass du aktiv darüber nachdenkst.
Welche Glaubenssätze sind im Job typisch?
Häufig sind Sprichwörter wie „Eigenlob stinkt“, „Über Geld spricht man nicht“ oder „Der Klügere gibt nach“. Dazu kommen Sätze über dich selbst, etwa „Ich bin nicht der geborene Verkäufer“, „Ich bin zu nett“ oder „Ich kann keinem vertrauen“.
Wie erkenne ich meine Glaubenssätze?
Achte auf Sätze, die mit „Ich bin“ oder „Ich kann“ beginnen, und auf Antworten, die dir sofort einfallen, zum Beispiel auf die Frage „Was kannst du nicht?“. Hilfreich ist auch, dir ein paar Tage lang bewusst beim Denken zuzuhören.
Kann man Glaubenssätze löschen?
Nein. Wer versucht, einen Gedanken zu verbieten, denkt ihn dadurch erst recht. Wirksamer ist es, den alten Satz zu überschreiben: einen neuen Satz formulieren und ihn so oft wiederholen, bis er zur Gewohnheit wird.
Ersetzt die Arbeit an Glaubenssätzen eine Therapie?
Nein. Mentaltraining hilft im Berufsalltag, ersetzt aber keine Psychotherapie. Wenn dich Gedanken über längere Zeit stark belasten, wende dich an eine Arztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis.
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