Selbstbewusstsein stärken im Job – warum deine Stärken mehr bringen als deine Schwächen
Kurz gesagt: Selbstbewusstsein stärken im Job gelingt selten, indem du an deinen Schwächen feilst. Es wächst über deine Stärken und über Dinge, bei denen du nicht sicher bist, ob sie klappen. Dazu kommen Zusagen an dich selbst: Jede gehaltene zahlt auf dein Selbstvertrauen ein, jede gebrochene zieht etwas davon ab.
Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen: Was ist der Unterschied?
Selbstbewusstsein beschreibt im Alltag, wie sicher du auftrittst und wie gut du deinen eigenen Wert kennst. Selbstvertrauen ist enger gefasst: Du traust dir zu, eine Situation zu meistern.
Shila Driesch spricht in ihren Vorträgen fast immer von Selbstvertrauen. In einem Interview erklärt sie es so: Selbstvertrauen heißt, „dass du dir selber vertraust, dir und deiner Leistung“.
Für den Job ist das der entscheidende Punkt. Wer sich selbst vertraut, tritt auch sicherer auf. Selbstbewusstes Auftreten ist also eher die sichtbare Folge. Arbeiten musst du am Selbstvertrauen. Deshalb geht es in diesem Artikel vor allem darum, wie du dein Selbstvertrauen stärkst. Wie Shila dieses Training aufbaut, beschreibt die Seite zur BestMe-Methode.
Woran fehlendes Selbstbewusstsein im Job sichtbar wird
Fehlendes Selbstvertrauen merkst du meist an kleinen Momenten, in denen du dich zurückhältst:
- Im Meeting hast du eine gute Idee und sagst sie nicht.
- Vor einer Präsentation fragst du dich tagelang, ob du das überhaupt kannst. Shila beschreibt das ganz nüchtern: Für viele Menschen ist es schon eine Überwindung, ein Mikrofon in die Hand zu nehmen und zu sprechen.
- Im Kunden- oder Gehaltsgespräch redest du deine Leistung klein, bevor es jemand anderes tut.
- Nach Kritik hörst du nur noch den einen Satz, der nicht gut lief.
- Im Vergleich mit anderen meldet sich das, was Shila den „Selbstzweifeldrachen“ nennt. Er fragt: Wieso schaffe ich es nicht, alle Bälle in der Luft zu halten? Andere schaffen das doch.
Shilas Antwort auf den Selbstzweifeldrachen ist bemerkenswert unaufgeregt: Wir haben nur einen Fokus. Wer ständig zwischen Themen springt, verliert Energie. Das sagt nichts über dein Können aus.
Hinter solchen Zweifeln stecken oft alte Glaubenssätze, die sich erkennen und auflösen lassen.
Warum Arbeit an Schwächen allein kein Selbstvertrauen aufbaut
Die meisten von uns haben gelernt: Arbeite an deinen Schwächen. Shila nennt das „geprimed“. Und sie sagt auch: Das ist nicht falsch. Echtes Selbstvertrauen entsteht dadurch aber nicht.
Sie erzählt dazu von sich selbst. Technik ist nicht ihre Stärke. Sie hat inzwischen eine eigene Online-Community aufgebaut und ist stolz darauf. Trotzdem ist ihr klar: In Sachen Technik wird sie immer nur mittelmäßig bleiben. „Wenn ich aber meine Stärken stärke, dann gibt das echtes Selbstvertrauen“, sagt Shila, „weil ich Dinge vielleicht kann, die andere nicht so können.“
Sie zitiert dazu den Managementautor Fredmund Malik aus seinem Buch „Führen Leisten Leben“ sinngemäß: Wer immer nur an seinen Schwächen arbeitet, wird irgendwann vielleicht weniger schwach, aber noch lange nicht stark.
Shilas Empfehlung: an beidem arbeiten. Aber den Schwerpunkt auf die Stärken legen. „An den Stärken zu arbeiten, macht auch viel mehr Spaß.“
Für deinen Job heißt das ganz praktisch: Bevor du ins nächste schwierige Gespräch gehst, frag dich nicht zuerst, was du nicht kannst. Frag dich, was du besonders gut kannst. Genau darauf baust du dein Auftreten.
Selbstbewusstsein stärken: Die Komfortzone als Trainingsraum
Der zweite Hebel ist die Komfortzone. Shila formuliert das in einem Interview sehr direkt: Jedes Mal, wenn du an etwas herangehst, von dem du nicht weißt, ob du es schaffst, und du schaffst es, „hast du wieder was auf dein Selbstvertrauen eingezahlt“. Wie du deine Komfortzone Schritt für Schritt verlässt, zeigt Shila am Beispiel einer Paddelstrecke.
Sie beschreibt zwei Wege dahin. Der erste sind große Erlebnisse, etwa ein Fallschirmsprung. Danach hast du einen Bezugspunkt, auf den du dich berufen kannst: Ich bin schon aus einem Flugzeug gesprungen, dann schaffe ich auch diese Präsentation.
Der zweite Weg sind kleine Schritte, jeden Tag. „Du kannst nicht jeden Tag aus dem Flugzeug springen“, sagt Shila, „du kannst aber jeden Tag versuchen, eine bessere Version zu werden.“ Sie ist ausdrücklich für beides. Das Große als Referenz, das Kleine als tägliches Training.
Auch das Wort, das du für schwierige Situationen benutzt, spielt dabei mit. Für Shila ist „Herausforderung“ ein anderes Wort für Problem, mit einem wichtigen Zusatz: Nach einer Herausforderung bist du stärker. Und sie erinnert daran, dass du auf deinem Weg schon viele Probleme gelöst hast. Dann kriegst du auch das nächste hin.
Auf Tests von außen musst du dafür nicht warten. Du kannst sie dir selbst setzen, mit Zielen, die dich ein Stück über das Gewohnte hinausführen. Shila vergleicht das mit einem Muskel, den du trainierst, und mit dem Gang ins Fitnessstudio: Die Wirkung kommt durch Regelmäßigkeit.
Warum abgebrochene Vorsätze dein Selbstvertrauen schwächen
Das Gegenteil funktioniert genauso zuverlässig, nur in die falsche Richtung. Shila beschreibt drei Muster: Du nimmst dir etwas vor und machst es nicht. Du nimmst dir etwas vor und brichst ab. Oder du kürzt ab.
All das schwächt dein Selbstvertrauen. Der Grund: Dein Unterbewusstsein merkt es. Es weiß dann, dass du nicht so viel durchziehst, wie du dir vornimmst. Deshalb hält Shila es für „extrem wichtig“, Dinge, die du geplant hast, auch zu Ende zu bringen.
In einem Vortrag bringt sie es auf eine einfache Frage. Wenn du dir selbst sagst, dass du nicht auf dein eigenes Wort zählen kannst – wer soll dann auf dein Wort zählen? „Vertrauen fängt mit Selbstvertrauen an.“
Für den Job ist das ein unterschätzter Punkt. Selbstbewusst wirkst du nicht nur durch Haltung und Stimme. Du wirkst so, weil du weißt, dass du hältst, was du zusagst. Zuerst dir selbst gegenüber.
Selbstbewusst auftreten im Job: Was in typischen Situationen hilft
Die folgenden Punkte übertragen Shilas Aussagen auf konkrete Arbeitssituationen. Die Grundgedanken sind ihre, die Anwendung auf die einzelnen Situationen ist für diesen Artikel abgeleitet.
Im Meeting: Nimm dir vorher etwas Kleines und Konkretes vor, zum Beispiel dich dreimal zu Wort zu melden. Das ist einer der kleinen täglichen Schritte, von denen Shila spricht. Ob du drankommst, liegt nicht in deiner Hand. Dass du dich meldest, schon.
Bei der Präsentation: Erinnere dich an eine Situation, die du schon gemeistert hast, obwohl du vorher gezweifelt hast. Das ist dein Bezugspunkt. Und stell die Inhalte in den Vordergrund, die zu deinen Stärken passen.
Im Kunden- oder Gehaltsgespräch: Geh mit deinen Stärken hinein, nicht mit einer Liste deiner Lücken. Was kannst du, was andere nicht so können? Diese Frage aus Shilas Stärken-Gedanken lässt sich direkt als Vorbereitung nutzen.
Nach Kritik: Kritik zielt oft auf Schwächen. Daran zu arbeiten ist richtig, sagt Shila. Dein Selbstvertrauen kommt aber aus dem, was du gut kannst. Nimm die Kritik als Herausforderung, nach der du stärker bist.
Bei Selbstzweifeln im Vergleich: Denk an Shilas Satz, dass wir nur einen Fokus haben. Mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, ist keine Frage des Selbstwerts.
Übung: Die Drei-Mal-Zusage für deinen Arbeitstag
Aus Gedanken zusammengestellt, die Shila in Vorträgen und Interviews beschreibt. Keine feste Methode aus ihrem Training.
Schritt 1: Eine Stärke notieren. Schreib oben auf den Zettel eine Sache, die du im Job besonders gut kannst. Nur eine.
Schritt 2: Eine kleine Zusage formulieren. Wähle eine Situation von morgen, die dich ein wenig Überwindung kostet. Zum Beispiel: „Ich melde mich im Teammeeting dreimal zu Wort.“ Oder: „Ich spreche meinen Vorschlag im Kundentermin selbst an.“ Klein genug, dass du es schaffen kannst. Groß genug, dass du kurz schluckst.
Schritt 3: Unterschreiben. Shila arbeitet in ihren Vorträgen mit einem Commitment-Zettel: Ziel, die nötigen Schritte, Datum und Unterschrift. Für sie ist das ein „hochoffizielles Dokument“. Behandle deinen Zettel genauso.
Schritt 4: Durchziehen, nicht bewerten. Ob die Wortmeldung perfekt war oder dein Gegenüber sofort zustimmt, zählt hier nicht. Es zählt, dass du getan hast, was du dir zugesagt hast.
Schritt 5: Abends abhaken. Hak ab, was du erledigt hast. Jede gehaltene Zusage ist eine Einzahlung auf dein Selbstvertrauen. Und dann setz dir die nächste. So wird aus der Übung das regelmäßige Training, das Shila mit dem Fitnessstudio vergleicht.
Was würde deine beste Version jetzt tun?
Du sitzt im Meeting, die Idee ist da, der Zweifel auch. Die Zusage auf deinem Zettel kennst du. Jetzt fragst du dich: Was würde meine beste Version jetzt tun?
Die Antwort ist selten kompliziert. Meistens heißt sie: das eigene Wort halten und dich melden. Genau dort beginnt für Shila Selbstvertrauen. Die Frage selbst ist die Leitfrage ihres Trainings: die BestMe-Frage.
Wer diese Frage nicht allein üben will: So arbeitet die BestMe-Methode.
Häufig gefragt
Was ist der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen?
Selbstbewusstsein beschreibt, wie sicher du auftrittst und wie gut du deinen eigenen Wert kennst. Selbstvertrauen bedeutet, dass du dir selbst und deiner Leistung vertraust. Wer Selbstvertrauen aufbaut, tritt meist auch selbstbewusster auf.
Wie kann ich mein Selbstbewusstsein im Job stärken?
Indem du deine Stärken gezielt ausbaust, regelmäßig kleine Dinge außerhalb deiner Komfortzone tust und Zusagen an dich selbst einhältst. Jede dieser Erfahrungen stärkt dein Vertrauen in dich.
Sollte ich lieber an meinen Schwächen oder an meinen Stärken arbeiten?
Shila Driesch empfiehlt beides, mit dem Schwerpunkt auf den Stärken. Wer nur an Schwächen arbeitet, wird vielleicht weniger schwach, aber nicht stark. Echtes Selbstvertrauen entsteht durch das, was du gut kannst.
Warum schadet es meinem Selbstvertrauen, wenn ich Vorsätze abbreche?
Dein Unterbewusstsein registriert, wenn du etwas planst und dann nicht umsetzt, abbrichst oder abkürzt. So lernst du, dich nicht auf dein eigenes Wort zu verlassen. Deshalb lohnt es sich, lieber kleinere Vorsätze zu fassen und sie wirklich zu Ende zu bringen.
Wie trete ich im Meeting selbstbewusster auf?
Nimm dir vorher etwas Kleines und Konkretes vor, etwa dich dreimal zu Wort zu melden. Du kontrollierst nicht, ob du drankommst, aber du kontrollierst, ob du dich meldest. Mit jeder gehaltenen Zusage wächst dein Selbstvertrauen.
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